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Im Rätsel der fremden Sprache

Ein Portrait des Schriftstellers Christian Geissler

in: Die Aktion
Hg. von Lutz Schulenburg
Edition Nautilus
Heft 208, April 2004
ISSN 0516-340X


Ein kleiner, niedriger Raum, ein schmales Bücherregal, ein Arbeitstisch. Der Schriftsteller Christian Geissler blättert in seinem Roman "kamalatta" aus dem Jahr 1988. Überall zwischen den Seiten liegen Fotos, Postkarten, Zeitungsausschnitte: "Der Pirol ist ein wichtiger Vogel für Pauli. Da habe ich also ein schönes Foto von einem Pirol. Hier ist eine Frau, die eine wichtige Rolle für mich gespielt hat beim Nachdenken über Boye. Das gehört überhaupt zu meiner Arbeit: Ich habe Gesichter, ganz bewusste, ganz bestimmte Gesichter im Kopf für die Menschen, die ich erfinde, denen ich Wege gebe. Die haben ganz bestimmte Gesichter, und die sind hier auch drin. Gesichter von Freunden sind das."

Das 550 Seiten starke, ohnehin schon dickleibige Buch geht beinahe aus dem Leim. Es scheint, als halte Geissler sein ganzes Leben in den Händen. "Hier habe ich gearbeitet, das ist Schottland. In dem kleinen Häuschen da unten. Da oben ist der Atlantik, und da geht's nach Island. Dies Bild ist von Caspar David Friedrich die ‚Gescheiterte Hoffnung', da gibt es eine Anspielung im Text auf dieses Bild. Hier ist mein Quartier in Portugal, aber das meiste gehört zu Maurizio. Siehst du, das ist er, das ist mein ältester Sohn. Und dies ist Kargo mit dem T 34, der immer nur diese T 34 in Holz schneidet, das war dieser Genosse in Rostock, der von der kataloni-schen Front erzählt hat, 1936/37. Der ist inzwischen auch tot."

"Kamalatta. romantisches Fragment" - der Untertitel des Romans deutet auf das Unfertige der Erkenntnis, auf den laufenden Prozess und den entschiedenen Willen zur Veränderung. Der Autor - in Gestalt seines Alter Ego Proff - ist unmittelbar einbezogen in das Geschehen, das er literarisch in Worte fasst: als Handelnder und als Getriebener. Im Zentrum steht der Freiheitskampf, der revolutionäre Kampf, die politische Gewalt von oben und von unten. Politische Macht, militärische Macht, die Macht des Eigentums, die Macht der Sprache.

"Kamalatta" steht auch im Zentrum dieses Beitrags, der auf einem Rundfunkfeature (DLF 1998) basiert und für diese Publikation überarbeitet wurde.


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