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Ich habe eben Pech mit meinen Büchern

Friedo Lampe zum hundertsten Geburtstag

"Ich habe eben immer Pech mit meinen Büchern", schrieb der am 4. Dezember 1899 in Bremen geborene Schriftsteller Friedo Lampe im Juni 1944 an eine Freundin: "Meine Novellensammlung, die in den Fahnen bereits ausgedruckt war, ist tatsächlich in Leipzig zerstört."
Kurz vor der Auslieferung war sein drittes Büchleins - "Von Tür zu Tür" bei einem Bombenangriff in Flammen aufgegangen. Den Neudruck 1946 sollte Lampe nicht mehr erleben. Im Mai 1945 geriet er nahe Berlin in eine Patrouille der Roten Armee, wurde für einen SS-Mann gehalten und erschossen. Das Pech mit den Büchern hatte aber schon eine Vorgeschichte: Sein Roman "Am Rande der Nacht" erschien im Herbst 1933, wurde bald darauf wegen angeblich unzüchtiger, das Thema "Homosexualität" evozierender Stellen eingezogen und eingestampft. In einer Werkausgabe aus dem Jahr 1955 - herausgegeben von seinem Freund Johannes Pfeiffer - wurden jene Stellen, an denen die nationalsozialistische Zensur Anstoß genommen hatte, gestrichen, wurde die Wirkung der "Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" aus dem Jahr 1935 bis in unsere Tage verlängert. Sein zweiter Roman - "Septembergewitter" - wurde Ende 1937 ausgeliefert, kam fürs Weihnachtsgeschäft zu spät und ging dann sang- und klanglos unter. Lampes Zeiterfahrung erinnert an die frühen Romane von Klaus Mann oder Hermann Kesten, seine Schreibweise an Dos Passos "Manhattan Transfer" oder - später - an Wolfgang Koeppens "Tauben im Gras". Koeppen nannte Lampes Werk "ein Lehrbuch für junge Schriftsteller", Alfred Andersch, Hans Bender oder Peter Härtling bezeichneten ihn als ihr Vorbild.

Friedo Lampe entstammte einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie und wollte schon früh Schriftsteller werden. Die Folgen einer Knochentuberkulose bewahrte ihn schon im Ersten Weltkrieg vor einem Fronteinsatz. 1920 begann er sein Studium der Literaturwissenschaft in Heidelberg und promovierte schließlich 1928 über den Lyriker Leopold von Goeckingk. Im Anschluss daran arbeitete er als Redakteur, wurde Bibliothekar in Hamburg und ging als Lektor zum Rowohlt-Verlag nach Berlin, später zu den Verlagen Goverts und Henssel und gab bei Diederichs einige Bände der "Deutschen Reihe" heraus. Stilistisch fiel Lampe aus dem Rahmen, bewegte sich in der Nähe des Surrealismus und sprach selbst vom "magischen Realismus". Vielleicht aber auch, weil er während des Nationalsozialismus in Deutschland geblieben ist, hatten es seine Bücher später nicht leicht. Zum seinem hundertsten Geburtstag soll seinem Werk zu einer gebührenden Beachtung verholfen werden. Der Wallstein-Verlag startet eine dritte Werkausgabe - mit der unzensierten Fassung des Romans "Am Rande der Nacht":

"Es soll ein kleines Buch werden. Eine ziemlich wunderliche Sache. Wenige Stunden, so abends zwischen 8 und 12 Uhr in einer Hafengegend, ich denke dabei an das Bremer Viertel, in dem ich meine Jugend verbracht habe. Lauter kleine, filmartig vorübergleitende, ineinander verwobene Szenen nach dem Hofmannsthalschen Motto: 'Viele Geschicke fühle ich neben dem meinen, / Durcheinander spielt sie alle das Dasein'. Alles leicht und fließend, nur ganz locker verbunden, malerisch, lyrisch, stark atmosphärisch. (...) Inhaltlich ist die Sache leider etwas heikel."

Mit diesen Worten hatte Lampe den kleinen Roman Johannes Pfeiffer angekündigt. Lampe verzichtet auf eine Hauptfigur, einen durchgängigen Handlungsstrang und läßt über 30 Figuren beinah gleichberechtigt auftreten. Fotografische Detailtreue, reflektierende Passagen und Innere Monologe, in bremischer Klangfarbe oszillierende Dialoge und schnelle Schnitte zwischen den Szenen: Wie mit der Kamera gleitet der Erzähler über das Geschehen, setzt es zu einem Kaleidoskop zusammen und schafft eine dichte Atmosphäre. In der Totale zeigt er die geschäftige Idylle in der Dämmerung. Geht er dicht heran, versetzt er sich in die Gedanken und Träume seiner Figuren, zeigt er ihre Einsamkeit - gefangen in einer zerbrochenen, kaputten bürgerlichen Welt. Das Elend kommt jedoch ohne Pathos daher. Im Gegenteil: Lampe muss ein sehr humorvoller Mensch gewesen sein, der die Melancholie mit dem Diabolisch-Witzigen paarte und dem Leser immer wieder ein Schmunzeln, gelegentlich ein lautes Auflachen abfordert.

Zwei Knaben und zwei Mädchen kauern in den Wallanlagen am Wasser und gruseln sich, wenn die Ratten aus ihren Löchern kommen. Die Kapitänswitwen schlafen im "Haus Seefahrt", ein alter Mann sitzt einsam auf einer Parkbank und wartet darauf, dass jemand vorbeikommt, mit dem er ein paar Wort wechseln kann. Ein Schiff liegt im Hafen und macht sich zum Auslaufen bereit, zwei Studenten sind auf dem Weg dorthin, und der sadistisch veranlagte Kapitän quält seinen hübschen Steward. Ein junger Mann sucht sein erstes Erlebnis mit einer Prostituierten und scheitert. Eine junge Frau setzt ihrem Freund Hörner auf. Ein Geographielehrer liest seinen Söhnen Reiseberichte vor, da er sein Fernweh lieber in der Phantasie befriedigt, ein alter Mann stirbt, und ein Herr Berg spielt unentwegt Flöte, als könne er das Dunkel mit dem hellen Klang des Instruments vertreiben. Der Verlauf der Zeit von der Dämmerung bis Mitternacht, die Nacht, die den dunklen Seiten des Lebens Raum schafft, halten den Roman zusammen:

"Ja, die Zeit ging dahin, für den einen zu langsam und für den anderen zu schnell. Und doch ging sie weder schnell noch langsam, sondern in gleichmäßigem, unerbittlichem, pausenlosem Schritt, streng und gesetzhaft wie das Flötenspiel des Herrn Berg, das über die Gärten dahinklang, steigend, fallend, unaufhörlich, in ehernem Gleichmaß. Und dies Dahingehen, Dahinfließen war nicht froh und nicht traurig, sondern einfach daseiend - unergründlich. (...) Der Tag war verströmt, die Nacht war heraufgekommen (...). Wie sie jetzt das Leben fügte, so würde es sich nie wieder fügen, und wer sie nicht lebte, in Traum oder wachen, wer sie versäumte, der hatte sie für immer versäumt, und sein Leben war um weniges, um unmerklich weniges ärmer. (...) (Die Nacht) sank in die Anlagen, Teiche und Gräben, brütete überm Hafen, überm Fluß, und verdichtete sich unter den Brückenbögen. Dumpf rauschte das Wasser an den Pfeilern vorbei. Und die Stadt versuchte sie ein wenig zu verdrängen: mit Laternen und Bogenlampen, mit Musik und Gespräch - aber die Nacht war mächtiger. Alles füllte sie, umfasste sie und führte es in immer tiefere Schwärze. Sie war der weiche, strömende, volle Grund, auf dem alles ruhte, in den alles zurücksank, sie löste die Glieder und machte müde und satt."

Diese poetische Hommage an die Nacht - so faszinierend sie sich liest, weckt zwiespältige Gefühle. Liegt darunter eine Tendenz gegen die Idee der Aufklärung, der Vernunft, des "Tages"? Oder wendet sich der Autor nur gegen das einseitige Hofieren des Rationalen, will er darauf hinweisen, dass "Tag" und "Nacht" zusammengehören, dass auch das Irrationale - ob man es ihm zugesteht oder sie mit Bogenlampen und Flötenmusik bekämpft - ihr Recht fordert?

Der Schiffssteward hat inzwischen den Hund des Kapitäns erschlagen. Im Varieté "Astoria" riskiert ein Hypnotiseur das Leben seines Sohnes für eine riskante Nummer, während sich Hein Dieckmann auf seinen Ringkampf mit Alvaroz, seinem attraktiven Gegner, vorbereitet. Die Vorbereitung und der Kampf - durch Schnitte und Ortswechsel immer wieder unterbrochen - stehen im Zentrum des Romans. Hier wird Hein Dieckmann zwischen Tag und Nacht zerrieben, hier wurde das Werk Lampes bisher in wesentlichen Passagen verstümmelt.

"Ich hab ihn gesehen", flüsterte er. "Ich hab ihn gesehen - das ist es ja, versteh doch - ganz jung ist er, der Kerl, und schön, verdammt schön." (...)
"Aha, das ist's also", sagt Jonny. "Es hat mal wieder geschnappt. Mal wieder 'n bißchen verschossen, was?"
"Ein fabelhafter Kerl", sagte Hein. "Würdest du auch sagen."

Am Tage hat Hein Dieckmann sich unter Kontrolle. Abends regt sich sein homosexuelles Verlangen, was sein Betreuer schon zu kennen scheint. Dieckmann will mit Alvaroz anbändeln. Waren in der vorigen Szene schon die etwas deutlicheren Passagen ("'n bißchen verschossen, was" in den bisherigen Werkausgaben gestrichen, waren auch folgende Sätze nach Meinung ihres Herausgebers in den fünfziger Jahren nicht zumutbar:

"Nee, nee. Mensch, was haben Sie für einen gottbegnadeten Körper!" Dieckmann hob die große, rötlich behaarte, fleischige Hand und strich zart und leicht über das drahtige Gekräusel auf Alvaroz' Brust, seine Finger berührten erschauernd die rotbraune, harte Brustwarze.
"Finger weg", sagte da Alvaroz und trat zurück. "Was soll das alles?"

Im folgenden Kampf verliert Hein Dieckmann die Kontrolle: Er bringt Alvaroz in seine Gewalt.

"Das hast du wohl nicht gedacht, was?" Er griff ihm knetend den Körper ab und hielt ihn doch fest, als wenn er zehn Hände auf einmal hätte, war wieder ganz dicht mit seinen dicken Lippen, mit seinen Augen an Alvaroz' Brust, an seiner Kehle, lachte glucksend. "Da liegt er nun unter mir. Wie, das wolltest du doch nicht? Hab ich nun endlich meinen kleinen Jungen? Oh, nicht so böse gucken. Lieb sein. Nu, nu, nu - was hab ich da für einen feinen Kerl zwischen den Fingern -" "Altes Schwein", rief Alvaroz und rollte wütend mit seinen kräftigen Augen.

"Dieckmann, was soll das denn?" ruft der Conferencier und der Direktor des Varieté springt auf: "Das ist doch kein Ringkampf!" Dieckmann gerät außer sich und verdrischt seinen Gegner, ringt dabei buchstäblich auch das eigene Verlangen nieder, gibt sich ihm hin und kämpft es nieder. "Ich bin ein Schwein und weiter nichts", so endet die dabei überaus witzig geschriebene Szene für Dieckmann, "ich bin ein Dreck!"

Im Dämmerzustand zwischen Tag und Nacht thematisiert Lampe alles andere als erfülltes, schwules Glück. Dieckmann fühlt sich seinem Verlangen schicksalhaft ausgeliefert, kann es nicht dauerhaft unterdrücken und leidet an einer Gesellschaft, die ihm eine bejahende Haltung zu seiner Homosexualität verbietet und zugleich Gewaltverhältnisse (wie zwischen dem Kapitän und dem Steward, dem Hypnotiseur und seinem Sohn) sowie eine beispiellose Vereinsamung der Menschen hervorbringt und toleriert. Was in den bisherigen, in diesen Passagen stark gekürzten Ausgaben als Camouflage erschien, als vorsichtiges Andeuten eines tabuisierten Themas, das - der Eindruck musste durch die Verlagerung der Gewichte entstehen - in den Bereich der genannten Gewaltbeziehungen abgehebelt wurde, stellt sich in der Originalfassung ganz unmissverständlich dar. Die Selbsteinschätzung Dieckmanns korrespondiert dabei durchaus mit anderen Textstellen, in denen auf Homosexuelles oder Homoerotisches angespielt wird: So gehen Hans und Erich, die beiden Jungen, die zu Beginn die Ratten beobachtet hatten, gemeinsam in die Stadt. Erich will nach Hause, doch Hans will noch zum Hafen, wo das Schiff sich zum Auslaufen bereit macht. Erich geht wie unter Zwang mit:

Wollte er denn Hans verlieren, die Freundschaft dieses Einzigen, Besten, um den ihn alle beneideten? Unmöglich. Er legte zart den Arm um den schlanken, bloßen Hals des Freundes. "Laß doch die Albernheiten. Dies Mädchengetue muß aufhören." Verachtung kam in Hans' bleiches Gesicht, seine grauen Augen blickten scharf, und eine kleine, strenge Falte bildete sich dicht über der Nasenwurzel und zeichnete sich in die reine hohe Stirn ein.

Inhaltlich wird die verdächtig homoerotische Anwandlung Erichs schroff zurückgewiesen, sprachlich verrät die Beschreibung Hans' Gesicht eine eindeutige erotische Ausstrahlung. Läßt sich unter diesem Blickwinkel die Hommage an die in der bürgerlichen Welt mit Bogenlampen bekämpfte Nacht als Hoffnung auf Befreiung lesen? Die Stärke und Faszination Lampes liegt gerade darin, dass er die Ambivalenz und die Widersprüche nicht auflöst, nicht aufhebt. Er läßt sie zur Form gerinnen, gibt ihnen in ihrer Gleichzeitig Raum, reizt die Extreme in alle Richtungen aus.

Neben dem Tag-Nacht-Motiv spielt der Widerstreit zwischen der Sehnsucht nach Aufbruch und der beinahe fatalistischen, auch lustvoll erfahrenen Hoffnungslosigkeit eine bedeutende Rolle in Lampes Werk. Sein erster, unveröffentlichter Text aus dem Jahr 1931 - "Am dunklen Fluß" - konfrontiert zwei Brüder: Der eine ging 1921, als die alte Welt zusammengebrochen war und sich kaum Perspektiven eröffneten, nach Amerika und machte dort sein Glück. Der andere blieb in Bremen, wurde arbeitslos und ergibt sich in sein Schicksal. Glücklich wurde aber auch der erfolgreiche nicht. Als er nach zehn Jahren zurückkehrt, gibt es statt Wiedersehensfreude einen deftigen, von unverhülltem gegenseitigen Hass getragenen Streit. Lampes Sympathie gehört dem Daheimgebliebenen. In "Am Rande der Nacht" wird das Motiv im Bild des auslaufenden Schiffs fokussiert. Sehnsüchte und Hoffnungen werden auf das Schiff projiziert, und zugleich ist es mit einer gruseligen Düsternis verbunden. Der sadistische Kapitän wird etwas spöttisch als der "Mann mit den schicken Stewards" vorgestellt. Fritz Bauer, den er genußvoll quält, wird mit "sanften, blauen Mädchenaugen" und "pockennarbiger Haut" beschrieben. Die beiden mitreisenden Studenten, für die das Schiff "Aufbruch" bedeutet, fordern ihn, für den es einem Gefängnis gleicht, auf, wegzugehen, anderenorts ein neues Leben zu beginnen. Trotz aller Demütigungen, die er erleiden muss, bringt er aber nicht die Kraft auf, das Schiff zu verlassen. In seinem Hass tötet er zwar den Hund des Kapitäns, doch der Roman endet damit, dass er erneut dessen Ruf folgt.

"Gehen Sie doch nicht hin", bat Anton.
"Doch, ich muss hin", sagte Bauer, "was soll ich denn auch sonst tun?"
Es ist scheusslich", sagte Anton.
"Das ist es", sagte Bauer und glitt lautlos vom Deck die Treppe hinunter. Beklommen starrte Anton in die Gegend hinein.
Der Dampfer fuhr immer weiter den Fluß hinunter, dumpf arbeitete die Maschine.

So endet der Roman in der widerstrebenden Einheit, ja Gleichzeitigkeit von Aufbruch und Stillstand, in einem Schwebezustand, dem wir auch im zentralen "Tag-Nacht-Motiv" ("Am Rande der Nacht") und in dem der immer wieder hervorbrechenden und nie gänzlich niedergerungenen Homosexualität begegnen. Dieser Schwebezustand bestimmt die literarische Struktur des Textes.

"Wie fandest Du ihn nun im Druck", fragt er seinen Freund Pfeiffer: "Sehr anstößig? Ich habe Angst." Zugleich wandte er sich aber an einen Funktionär des NS-Systems, der für die Erstellung der Verbotslisten für öffentliche Bibliotheken zuständig war und schrieb, dass sein Roman lediglich die eigenen Gefühle möglichst unverfälscht darstellen würde, nur so könne er die eigene seelische Wirklichkeit überwinden. Was als Entschuldigung gemeint war, kam einer Selbstdenunziation gleich. Die politische Realität des NS-Staats hat Lampe offensichtlich nicht durchschaut. Ob er naiv war oder ob es ihn nicht interessiert hat?

Weggehen ist ein Traum, aber keine Perspektive, ein Traum, der in der Realität Lampes Figuren mit Schmerz, Unglück und oft einer reuigen Wiederkehr verbunden ist. In der Figur des Geographielehrers scheint der Widerspruch aufgehoben: Er bleibt zu Hause und reist im Kopf - indem er liest. Und auch Lampe lebte vor allem im Reich der Literatur, und vielleicht liegt hier der entscheidende Grund, warum er Deutschland 1933 nicht verlassen hat. Ihm fehlte, obwohl er homosexuell war und schon wegen des ersten Romans Probleme bekommen hatte, als unpolitischer Kopf wohl ein ausreichender Anlaß und der innere Antrieb, diesen Schritt zu tun. So baute er an einer "Idylle auf vulkanischem Grund", wie er einmal über einen seiner Texte gesagt hat. Politisch hat sich Lampe nicht zum Nationalsozialismus geäußert. Er hat sich soweit arrangiert, dass er weitgehend unbehelligt blieb. In seiner Arbeit, ob als Autor, Rezensent, Herausgeber oder Lektor, hat er der Tradition der Moderne und eines anderen Deutschlands überwintern helfen, gab er eine Anthologie "Lebendiges 18. Jahrhundert" und griechische Theaterstücke "Das Land der Griechen" heraus.

In seinem 1937 erschienen Roman "Septembergewitter" - die Handlung ist vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt - entwickelt er die filmische Schreibweise weiter: Ein Ballon überfliegt die Stadt. "Da unten liegt eine Stadt am Fluß", sagt die Tochter des Ballonfahrers, "wie friedlich liegt das da, wie muss man da idyllisch wohnen". "Das sieht wohl nur von oben so aus", antwortet der Vater. Schnitt. Kamerafahrt auf Augenhöhe. Und schon befinden wir uns an einem schwülen Septembernachmittag in einer Stadt, in der gestorben wird und ein Mord geschehen ist, in der ein gemeiner Jungen kleinen Mädchen ihre Drachen kaputtmacht und eine junge Frau von ihrem Geliebten verlassen wird. Das reinigende Gewitter geht über der Stadt nieder. Geändert hat es nichts.

In seinem postum veröffentlichtem Novellenband "Von Tür zu Tür" bleibt Lampe bei seinen Themen, greift er in einem wunderbaren Text aber auch einen bekannten schwulen Mythos auf: "Die Alexanderschlacht". Albrecht, der Protagonist, soll in einem spießbürgerlichen Kurbad von seinem Onkel mit der Tochter eines Bankdirektors verkuppelt werden. Der unwillige Albrecht ("... weiß besser bei den alten Griechen Bescheid als bei uns ...") träumt sich weg, changiert zwischen Wirklichkeit und Phantasie und findet sich mit seinem Freund Sebald inmitten von Schlachtgetümmels bei Alexanders Heer wieder. Hier die Idylle des Kurorts: das Theater, die Villen, der Dunst, der aus dem Kurpark aufsteigt. Da der Mythos von Alexander, der als großer Einzelne die neue Welt errichten will und Albrechts sehnsüchtige Apell am Schluß: "Versink im Nebel, du alte Welt - Alexander, Alexander - "

Vor den Bombenangriffen auf Berlin flüchtete Lampe vor die Tore der Stadt und fand ein Refugium bei einer guten Freundin. Zugleich war er verpflichtet, fürs Auswärtige Amt zu arbeiten. Er übersetzte Meldungen der "Feindsender" und war auf diesem Wege über den Kriegsverlauf bestens unterrichtet. "Ich verstehe mich selbst nicht, dass ich nicht davongehe", schrieb Lampe im Juni 1944 aus Kleinmachnow, wo sein Leben am 2. Mai 1945 sein absurdes Ende nahm: "Ich bin wie meine Katze - hänge am Haus, und wo ich sitze, da bleib' ich sitzen und gehe, scheint's, nicht eher, als bis man mir das Haus kaputt macht. (...) - und dann interessiert mich auch der Untergangsprozess einer so großen Stadt."


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