Arbeitsbereiche

Literarisches

Alltag & Gesellschaft

Schwules & Aids


Ausgewählte Arbeiten

Feature, Portraits & Essay

Bücher & Buchbeiträge

Schwule Nachbarn

Engagierte Gemeinschaften

Über Uwe Timm

Klaus Mann (Nachwort)

Über Christian Geissler

Over the Rainbow

Grabbe-Hörbuch

Was heißt hier schwul?

Die Linke und das Laster

Detlef Grumbach - freier Journalist & Verleger

Home    Über mich    Kontakt & Impressum    Männerschwarm Verlag    Blog «Schwule Literatur» 


Schwule Nachbarn

22 Erlebnisse

hrsg. von Detlef Grumbach

MännerschwarmSkript Verlag 2007
geb., 256 S., EUR 18,80
ISBN 978-3-939542-02-5

"Ein Roman über New Orleans ohne Schwule, das wäre wie ein Buch über Alaska ohne Schnee." (Tony Fennelly, amerikanische Krimi-Autorin, auf die Frage, warum in ihren Büchern stets auch Schwule vorkommen)

Was Tony Fennelly hier so gelassen ausspricht, ist keineswegs selbstverständlich. Schwule und Lesben befinden sich, anders als der "Schnee in Alaska", nach wie vor in einem "Kulturkonflikt" mit ihrer "heterosexuell geprägten" Umgebung. Wie aber nimmt ihre Umgebung diesen Konflikt wahr, mit welchen Augen blicken auch ganz alltägliche Figuren der deutschen Gegenwartsliteratur auf ihre "schwulen Nachbarn"? Aus Anlass unseres 15. Verlagsgeburtstags haben wir zahlreiche Autorinnen und Autoren mit dieser Frage konfrontiert - die Antworten fielen ziemlich unterschiedlich aus. Während sich einige der Angesprochenen pauschal als "nicht zuständig" bezeichneten, andere sich, wohlbegründet, nicht aus anderen Arbeitszusammenhängen herausreißen lassen wollten, sagten immerhin zwanzig spontan zu. Die in unserer Anthologie versammelten Erzählungen führen uns ins Frankfurter Gallusviertel, in eine Buchhandlung auf der Berliner Hasenheide und die skurrile Welt, in der die Heterosexuellen plötzlich in der Minderheit sind und sich mit ihren Frauen nur noch heimlich treffen dürfen. Eine Frau in der ostdeutschen Provinz wird damit konfrontiert, dass ihre Jugendfreundin früher einmal richtig verliebt in sie war und reagiert darauf so kalt, das es den Leser fröstelt. Judith Kuckart und Bodo Kirchhoff führen uns in die Welt der Kindheitserinnerung zurück: Bei Kuckart wird ein kleiner Junge beim Spielen von ein paar Halbstarken als Mädchen verhöhnt. Seine Spielkameradin spürt die Bedrohlichkeit der Situation und rettet ihn auf imponierende Weise. Kirchhoff erzählt auf beklemmende Weise von einer Begegnung im Internat. Niemand wird genau erfahren, was zwischen dem Kantor und dem Jungen dort passiert ist, aber es verfolgt den Jungen sein Leben lang.

Mit Beiträgen von Matthias Altenburg, Dorothea Dieckmann, Ursula Fricker, Barbara Frischmuth, Doris Gercke, Gunter Gerlach, Kerstin Hensel, Bodo Kirchhoff, Judith Kuckart, Sabine Peters, Hermann Peter Piwitt, Alexander Posch, Ingo Schulze, Peter Stamm, Uwe Timm, Tina Uebel, Regula Venske, Michael Weins, Ulrich Woelk, Christine Wunnicke, Feridun Zaimoglu.

Pressestimmen

Die Anthologie enthält berührende, anregende, komische und nachdenkliche Texte, die zeigen, wie schwer sich die ?normale Mehrheit' oft noch tut, wenn sie mit Schwulen hautnah konfrontiert ist. Selbst aufgeklärte Menschen geraten da mitunter ins Schleudern. ... Es sind die leichten, komischen Geschichten, die vielleicht am meisten darüber verraten, wie tief die Klischees und Vorurteile im gesellschaftlichen Bewusstsein stecken. Denn mal ehrlich, wenn wir uns vorstellen, wie Schwule zusammen leben, machen wir uns da nicht alle die tollsten Gedanken? Davon erzählt Ulrich Woelk und von der Entdeckung am Ende, dass auf dem Nachtisch der schwulen Nachbarn auch nur Bücher liegen und Lesebrillen.
Heide Soltau in WDR 3

Herausgeber und Nachwortschreiber Detlef Grumbach, kalkulierte richtig: Es entstand ein erstaunlicher Aufriss unserer Zeit. Jeder will anders sein, weil Individualismus angesagt ist, aber das Andersseiende wird, wie ehedem, abschätzig gemustert, ausgegrenzt, verteufelt, getötet. Man lese, wie zwei Türken angewidert-fasziniert über Schwule reden, wie eine Telefonbeichte gleichgeschlechtlicher Liebe sich anhört und wie die technisch vollkommene Umwandlung vom Homo zum Hetero ablaufen könnte - von polnischen Gen-Kartoffel-Freunden wird das Rezept womöglich bereits praktiziert.
Matthias Biskupek in Eulenspiegel

Üblicherweise starrt ja das Kaninchen auf die Schlange, die es verzehren will; gebannt und reglos sitzt es da, aufs Äußerste darum bemüht, nicht aufzufallen. Üblicherweise sind unterlegene Minderheiten damit beschäftigt, der überlegenen Mehrheit aufs Maul zu schauen, und keine falschen Bewegungen zu machen. ... Doch was die Mehrheit - oder zumindest jene, die sie schreibend vertreten - denkt, bleibt weithin unbekannt. ... Was weiß das Kaninchen, was die Schlange denkt? Was weiß die Schlange über das Kaninchen, was weiß die Mehrheit über ihre Minderheiten, was weiß der Hetero über den Schwulen? ... Detlef Grumbach kommt das Verdienst zu, der dösenden Schlange als Erster das Wort erteilt zu haben. ... Jeder der Beiträge lohnt die Lektüre.
Alain Claude Sulzer in "Baseler Zeitung"

Könner sind am Werk, die neue Zugänge finden und fesselnd erzählen. Enthalten sind Perlen wieder Dialog zweier junger Türken, notiert von Feridun Zaimoglu: Die beiden unterhalten sich über Schwule und werden sich dabei ihrer homoerotischen Anteile bewusst. Doch die halten sie sich mit Abwehrsprüchen wie "Halt's Maul!" vom Leib.
Andreas Hergeth in Du&Ich

Ein spannender Blick über den Tellerrand.
Jens Brodzinski in Männer aktuell

Nachdenklich, amüsiert, überrascht, bewegt, ertappt, zuweilen befremdet, gerührt, aber jederzeit involviert - so fühlt man sich als Leser der 22 Erlebnisse, die der Männerschwarmskript-Verlag zusammengestellt hat. .. Erfreulich die thematische und formale Fächerung der Texte: Die traditionelle Coming-out- und Pubertätsthematik wird erweitert durch Texte, welche die Koexistenz verschiedener Lebensformen aus stets glaubwürdigen Perspektiven thematisieren - besonders interessiert hier die Verunsicherung auf männlich-heterosexueller Seite - weg von der Schwarzweiß-Malerei hin zur Differenzierung. Erfreulich aber vor allem die literarische Qualität, denn sie ist vor allem dafür verantwortlich, dass sich dieser themenorientierte Band jenseits jeglicher Betroffenheits-Prosa, Polemik und Glorifizierung bewegt. Anschaffen für alle zwischen 18 und 98!
Michael Schläfli für den Schweizerischen Bibliotheksservice


© Detlef Grumbach 1999 - 2009 - Böckmannstraße 48 - 20099 Hamburg
Kontakt/Webmaster: Detlef Grumbach