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Sowohl die Diskussion um die Streitschrift „Schöne schwule Welt" von Werner Hinzpeter, als auch die Berliner Ausstellung „100 Jahre Schwulenbewegung zeigen, daß es Interesse an schwulenpolitischen Themen gibt. Die neue Schwulenbewegung wird eingeordnet in den größeren geschichtlichen Zusammenhang, die Fragen danach, was erreicht worden ist und welche Perspektiven sich für schwule Emanzipation heute daraus ergeben, stehen auf der Tagesordnung. Pressestimmen"Herausgeber Detlef Grumbach entdeckt mit seinen Autoren neues, unberührtes Land; ein Blick in eine mögliche Zukunft schwulen Selbstverständnisses. "Was heißt hier schwul" ist zur Zeit das wichtigste gesellschaftspolitische Sachbuch der ausgehenden Neunziger."Lutz Widzgowski in "Adam"
"Die sexuellen Verhältnisse sind am Tanzen", schreibt Detlef Grumbach, Herausgeber des Buches "Was heißt hier schwul? Politik und Identitäten im Wandel". Der Konsens, was "man" und "frau" ist und tut, besteht längst nicht mehr so klar wie ehedem. Wer sich in dieser aktuellen Lage als "schwul" betrachtet, hat es auf den ersten Blick einfach. Die schöne schwule Welt steht ihm offen. An der These des stern-Journalisten Werner Hinzpeter, alle nötigen Schlachten seien im Grunde geschlagen umd als Schwuler lebe man im Deutschland der 90er Jahre in der besten aller Welten, reiben sich zahleiche Autoren dieses Buches - zumeist auf intelligente und sorgfältig analysierende Art und Weise. Im Gegensatz zum flott über Widersprüche hinweg formulierenden Hinzpeter haben sie ihre Hausaufgaben wirklich gemacht. Die meisten Autoren haben weit weniger Probleme mit der veränderten
Situation. Sie reagieren mit fundierten und sorgfältig recherchierten
Texten, die sich der Frage "Was heißt hier schwul?" mit
unterschiedlichsten Perspektiven nähern. Das Buch ist eine Bestandsaufnahme geworden: Was ist der schwule Mann heute? Was ist schwul? Was ein Mann? Es fragt nach schwulen Identitäten, schwuler Geschichte und schwuler Gegenwart. Und das Entscheidende: Es bietet vielen Vorkämpfern der so erfolgreichen letzten 30 Jahre ein Forum, um die Veränderungen in
Worte zu fassen. Zwischen den Zeilen läßt sich aber auch etwas
vom mühsamen Lernprozeß erahnen, den für manchen Bewegungs-Promi
der Abschied von der alten Gesellschafts-Polarität darstellt.
Grumbach konstatiert richtig: "nach wie vor beruht diese Gesellschaft auf Geschlechtertrennung, auf patriarchalen Strukturen, noch ruht die Nation auf dem Fundament des 'Konstrukts der Männlichkeit'. ... Nach wie vor brechen sich antihomosexuelle Vorurteile Bahn und treffen vor allem jene, die sich außerhalb des Konsenses stellen, die das 'gesunde (Volks-)Empfinden' stören und provozieren, die Tunten. ... Und das nach wie vor staatstragende Konstrukt der Männlichkeit ist denn wohl auch das Hauptbollwerk dagegen, daß postmoderne Überlegungen ... , so sehr sie an greifbaren Erscheinungen der Realität anknüpfen, diese allzu schnell bestimmen werden."(S. 24f)
Die nachfolgenden Beiträge gehen verschiedenen Aspekten des so aufgeworfenen Themas nach. Martin Dannecker zeigt in seinem Beitrag über "Homosexuellenpolitik in den fünfziger und sechziger Jahren" auf, wie stark diese frühe Homosexuellenbewegung in der BRD in der Zeit des Kalten Krieges auf Anpassung an die bürgerliche Moral bedacht war. Anerkennung sollte über Anpassung erreicht werden, was jedoch nicht gelang und dazu führte, daß die neue Schwulenbewegung ab den 70er Jahren praktisch ohne Bezug zur alten Homosexuellenbewegung entstand.
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